Mit dem schlicht K4 genannten Schrägheck-Modell wollte und konnte Kia die Messlatte bei den Kompaktwagen mit Verbrennungsmotor auf ein neues Niveau heben. Kein Wunder, dass die Autohäuser mit ihm jede Menge alte Kunden überzeugten, auch neue Kaufwillige vor allem von anderen Automarken anlockten.
von Achim Stahn (Fotos: Edda Stahn)
Ja, rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind bei uns vor allem wegen der staatlichen Förderung und viel zu hoher Kraftstoffpreise gefragt. Auch die oftmals sehr attraktiven (hohen) Kaufunterstützungen der Hersteller unterstützen diesen Trend.
Doch nicht jeder kann oder will sich einen Stromer vor die Haustür oder in die Garage stellen. Aus welchen Gründen auch immer.
Und da kommt Kia mit dem K4 ins Spiel.
Denn der ist für Singles und Paare ebenso geeignet wie für Familien.
Ihn gibt es als Limousine ab 28.890 Euro und als Kombi ab 29.890 Euro.
Wir haben uns hier die Limousine als Turbo-Direkteinspritzer mit 150 PS etwas genauer angeschaut.
Der startet in der besseren Ausstattung ab 34.290 Euro, die von uns gefahrene Variante Spirit ab 35.890 Euro.
Dynamischer Auftritt
Mit 4,44 Meter Länge, einer Breite von 1,85 Meter und flacher Dachlinie (Höhe: 1,435 Meter), die scheinbar fließend und ebenso elegant in die Heckklappe übergeht, steht der K4 beeindruckend auf der Straße.
Er hat zwar vier Türen, doch die hinteren sind dank scheinbar fehlender Türgriffe nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Die verstecken sich raffiniert weiter oben quasi in der Scheibe.
Kennen wir schon aus vergangenen Jahren vom Alfa Romeo 159 oder Nissan Juke, in jüngerer Zeit vom Renault Mégane E-Tech Electric, doch hier haben alle ihren Meister gefunden.
Superelegant und gleichzeitig dynamisch macht ihn das vom Kia-Flaggschiff EV9 inspirierte „Star Map“-Tagfahrlicht, dessen Grafik ist an die Darstellung von Sternbildern angelehnt.
Klingt irgendwie komisch, doch egal, es sieht hier richtig gut aus.
Viel Platz für Mitreisende und Gepäck
Wie schon die äußeren Maße und 2,72 Meter Radstand vermuten lassen, bereitet der Innenbereich den Passagieren viel Freude durch ein sehr gutes Raumangebot.
Die Sitze vorne sind ordentlich bequem und bieten Langstreckenqualität.
Auch auf den Rücksitzen liegen Bein- und Kopffreiheit vergleichbar auf einem sehr hohen Niveau.
Ähnlich positive Nachrichten kommen aus dem Gepäckraum. Bis zur Fensterunterkante passen 438 Liter rein, mit umgeklappten Rücksitzlehnen sind es 1.217 Liter.
Etwas weniger schluckt der Mildhybrid-Benziner, in diesem Fall 328 bis 1.107 Liter.
Doch auch das ist im Alltag und auf Reisen völlig ausreichend.
Die Bedienung aller Instrumente ist ohne Fragezeichen, die Optik passt trotz vieler Flächen aus Hartplastik gut zum Auftritt von außen, alles sieht richtig gut aus.
Wegen der Karosserieform ist die Sicht nach hinten allerdings nur mäßig.
Attraktive Antriebspalette
Der Käufer entscheidet, was er kaufen will.
Das haben leider einige Automarken vergessen.
Nicht Kia, dort nimmt man die Wünsche und Vorstellungen der Käufer sehr ernst.
Ein anderes Wort dafür ist Respekt.
Daher entwickelt die Marke aus Korea nicht einseitig, hält vielfältige Antriebsoptionen bereit.
Zu uns kommt der K4 mit vier Motorisierungen:
- 1,0-Liter-Turbobenziner (115 PS)
- 1.0 T-GDI (115 PS) Mildhybrid
- 1.6 T-GDI (150 PS) Turbo-Direkteinspritzer
- 1.6 T-GDI (180 PS) Turbo-Direkteinspritzer
Das Basismodell hat ein Sechsgang-Schaltgetriebe, alle anderen übertragen ihre Kraft über ein blitzschnell schaltendes 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe an die Räder vorne.
Damit spurtete unser Wagen mit seinen 150 PS und 250 Nm Drehmoment in 9,1 Sekunden auf 100.
Auch im Zwischenspurt zeigte er sich ausreichend fit, von 60 auf 100 km/h vergingen 4,8 Sekunden, von 80 auf 120 waren es 6,2.
Genug Kraft also, um im Alltag Überholvorgänge ausreichend schnell zu erledigen.
Dabei zeigte sich der aufgeladene Vierzylinder kultiviert und vibrationsarm.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt hier bei 205 km/h.
Der vergleichbare WLTP-Zyklus bewertet den Kraftstoffverbrauch kombiniert bei 6,5 Liter Super (CO₂: 146 g/km), wir notierten am Ende unserer 14 Tage mit zumeist urbanem Einsatz exakt denselben Wert.
Die Abstimmung des Fahrwerks zeigte sich in unserem Test ausgewogen und komfortorientiert, die Mehrlenker-Hinterachse verarbeitete Straßenunebenheiten vergleichsweise souverän.
Überzeugt hat uns auch das insgesamt niedrige Geräuschniveau.
Gut bestückt und voll vernetzt
Käufer erwarten heute allerhand von ihrem Alltagsbegleiter.
Das weiß auch Kia, lässt den K4 nicht nur aus diesem Grund hervorragend ausgestattet vom Band rollen.
In den Bereichen Komfort und Sicherheit.
Auch soll es mehr sein als bei den direkten Mitbewerbern.
Vor allem dem aus Wolfsburg.

Direkt vor dem Fahrer thront ein breites Panoramadisplay im Armaturenbrett.
Dahinter verstecken sich das großformatige digitale Kombiinstrument (bekannt als Tacho oder Cockpit) und daneben das Multimediasystem inklusive Navi.
Zwischen beiden sitzt noch ein kleinerer Touchscreen, mit dem sich die Klimatisierungsfunktionen steuern lassen.
Eine gute Idee, denn allzu oft muss man sich dafür woanders mehr oder weniger kompliziert durch irgendwelche Menüs kämpfen. Was dann natürlich auch vom Verkehrsgeschehen ablenkt.
Überhaupt setzt Kia hier weiterhin auf klassische Tasten und Direktwahlschalter für häufig genutzte Funktionen. Sicher ein großer Pluspunkt bei der Kaufentscheidung vieler.

Smartphones lassen sich über eine induktive Ladestation kabellos mit Energie füllen.
Typisch Kia, sind Karten- und Software-Updates bequem „Over-the-Air“ erledigt.
Das Navigationssystem beinhaltet Online-Dienste, die unter anderem Echtzeitinformationen und App-gesteuerte Fernbedienungsfunktionen bieten.
Über das Infotainmentsystem sind z.B. Musikstreaming-Dienste zu nutzen, ein WiFi-Hotspot lässt sich ebenfalls einfach einrichten.
Sprachsteuerung gibt es natürlich auch.
Das Zauberwort heißt hier „Hey Kia“.
Damit lassen sich verschiedene Funktionen wie zum Beispiel Navigation steuern und Informationen abrufen, von Wettervorhersage bis Bedienungsanleitung.
Wer will, nutzt sein Smartphone oder die Smartwatch als Autoschlüssel, bestellt sich lebendigen Konzertklang in Form eines Premium-Soundsystems von Harman/Kardon dazu.
Angeboten werden außerdem gekühlte Vordersitze oder Sitzbezüge mit täuschend echter Leder-Optik.
Eine elektrisch öffnende Heckklappe ist optional nicht erhältlich.
Dafür gibt es eine gute Nachricht bei der Anhängelast: Der K4 darf gebremst bis zu 1,41 Tonnen ziehen.
Richtig gut punkten kann er auch bei dem Thema Garantie: 7 Jahre oder 150.000 Kilometer sind ein starkes Kaufargument, 12 Jahre Durchrostungs-Garantie gibt es noch oben drauf.
Jede Menge Unfallvermeider an Bord
Die Palette modernster Fahrerassistenzsysteme ist beachtlich und im Notfall überaus hilfreich.
Hier einige Beispiele besonders wertvoller Helfer.
Beispiel 1: aktiver Totwinkelassistent
Bei angeschaltetem Blinker zeigt er die Bilder der jeweiligen Seitenkamera vom rückwärtigen Verkehr im Instrumentendisplay rechts oder links in einem Monitor an. Der Wagenlenker wird bei Gefahr vor dem Wechseln der Fahrspur gewarnt, zur Vermeidung einer Kollision führt der dafür zuständige Computer einen Lenk- und Bremseingriff durch. Vollautomatisch.
Beispiel 2: Querverkehrwarner
Auch beim Zurücksetzen aus Einfahrten oder quer zur Fahrbahn liegenden Parklücken werden die toten Winkel überwacht. Dafür ist der Querverkehrwarner hinten mit Notbremsfunktion zuständig.
Er registriert Fahrzeuge, die den Weg kreuzen, tritt bei Bedarf auf die Bremse.
Beispiel 3: adaptive Geschwindigkeitsregelanlage 2.0
Sie passt nicht nur das Tempo intelligent an, kann im Notfall das Fahrzeug auch sicher zum Stillstand bringen. Wenn der Fahrer beispielsweise das Bewusstsein verloren hat.
Beispiel 4: Autobahnassistent 2.0
Er hält einen sicheren Abstand zum Vorausfahrenden, den eigenen Wagen mittig in seiner Fahrspur, kann auch eigenständig die Spur wechseln, wobei die Hände am Lenkrad bleiben müssen.
Beispiel 5: Frontkollisionswarner 2.0
Dieser Helfer erkennt per Kamera und Radar andere Autos, Fußgänger und Radfahrer, behält beim Überqueren von Kreuzungen den Querverkehr im Blick, beugt Kollisionen mit Vorausfahrenden oder Entgegenkommenden in der benachbarten Spur vor, führt bei Bedarf Notbremsung oder Ausweichmanöver durch.
Beispiel 6: Rundumsichtkamera
Diese Funktion zeigt auf dem Navigationsdisplay eine 360-Grad-Ansicht des K4 aus der Vogelperspektive.
Ein Plus an Sicherheit beim Manövrieren und natürlich hilfreich zur Vermeidung von Parkremplern.
Clever gemacht und ein Plus an Sicherheit: wird der Blinker für links aktiviert, öffnet sich im linken Bereich des Cockpit-Displays, ein separates rundes Bild, dort wird das gezeigt, was die Kamera vom Totwinkel-Assistenten gerade aufnimmt.
Steht der Blinker auf rechts, öffnet sich ein Kamerabild im rechten Bereich.
Sobald der Blinker ausgeht, schaltet das Display sofort wieder auf die normale Anzeige um.
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