In der Türkei werden bereits seit rund 60 Jahren Autos diverser Marken produziert, inzwischen sind dort die großen Namen mit eigenen Werken sehr aktiv. Togg ist jedoch der erste Autohersteller mit türkischen Wurzeln.
Auf der IAA zeigte die Marke im vergangenen September ihre zwei rein elektrischen Fahrzeuge:
- die 4,83 Meter lange Limousine T10F
- das 4,6 Meter lange SUV T10X
Beide Modelle werden mit zwei Akkugrößen (52 und 88,5 kWh) angeboten, die Preise starten jeweils ab 34.295 Euro.
In diesem Test haben wir uns das SUV genauer angeschaut.
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| Fotos: Edda Stahn |
Die Verkaufszahlen sind daheim beachtlich, bei uns geht es langsamer los. Auch weil es keine Händlerbetriebe gibt, der Wagen kann nur online bestellt und gekauft werden.
Das geht direkt über die firmeneigene Trumore-App.
Wer eine Probefahrt absolvieren will, kann dies entweder bei dem hiesigen Togg-Firmensitz in Stuttgart oder bei einem mobilen Experience Center machen.
Ob sich dieses Verkaufsprinzip bei uns durchsetzen wird, daran zweifeln viele.
Allerdings: bei rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln steht in Deutschland ein riesiges Käufer-Potenzial bereit.
Dabei hilft natürlich auch, dass die Fahrzeuge trotz attraktiver Preise mit umfangreicher Ausstattung und Bestwerten bei dem Euro NCAP-Test (5 Sterne) zu ihren Besitzern rollen.
Ein rollender Computer
So beschreibt Togg-Chef M. Gurcan Karakas den Wagen gerne, denn in der Tat bietet er bei den Themen
Funktionalität und Multimedia deutlich mehr als andere.
Auch durch Anbindung an externe Dienste und Play&Pay-Services.
Das Auto als Büro und Wohnzimmer ist nach den Wünschen des Besitzers konfigurierbar, eine Kamera für Videokonferenzen ebenfalls an Bord.
Einfach so gefahren werden kann er natürlich auch, wenn man sich vorab intensiv mit den Feinheiten beschäftigt hat.
Dafür bietet er innen auf knapp 2,9 Meter Radstand angenehm viel Platz, das Raumangebot ist hervorragend.
Die Sitze in der zweiten Reihe bieten extrem viel Beinfreiheit, drei Erwachsene können es sich dort richtig bequem machen.
Leider gibt im Fond nur einen USB-C-Anschluss, auf längeren Fahrten könnte das durchaus bei mitreisenden Kindern für schlechte Laune sorgen.
Hervorragend gelungen ist auch das insgesamt luftig-edle Ambiente, die Materialauswahl kommt hochwertig rüber.
441 bis 1.515 Liter passen in das Gepäckabteil, das mit Verzurrösen, Haken und 12-Volt-Steckdose ausgestattet ist. Unter dem Ladeboden ist genügend Platz für zwei Ladekabel und mehr.
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| Das durchgängige Display beherbergt mehrere frei konfigurierbare Screens, die sich auch unkompliziert ausschalten lassen. |
Bereits beim ersten Kontakt fällt einem das durchgängige und schön ins Armaturenbrett platzierte Display von der linken bis zur rechten A-Säule auf.
Es beherbergt mehrere frei konfigurierbare Screens.
Ein eigener für den Beifahrer gehört ebenfalls dazu.
Viele Funktionen lassen sich über Lenkradkreuze einfach bedienen.
Von Fahrerassistenzsystemen bis Telefonieren.
Weiter unten im Armaturenbrett gibt es noch einen kleinen Touchscreen-Bildschirm in Höhe der Mittelkonsole mit zwei Ebenen, über die alle oberen Displays mit Widgets konfiguriert werden.
Auch etliche Komfort-Funktionen werden von dort gesteuert, z.B. Heizung oder Spiegelverstellung.
Doch bei der Fahrt lenkt die Bedienung natürlich enorm ab.
So wie der Blick nach ganz rechts auf den YouTube-Film vor dem Beifahrer.
Das soll die Kamera unter einer nicht gerade schönen Hutze auf dem Armaturenbrett verhindern, sie überwacht den Fahrer ständig, ermahnt auch mit Warntönen.
Davon gibt es reichlich: ist der Wagen nicht ausgeschaltet, wird die Tür geöffnet, bei Spurabweichung und so weiter.
Manchmal ist unklar, warum man gerade ermahnt wird.
Der Tempo-Piepser ist per Hebel rechts am Lenkrad auszuschalten.
Bis zum nächsten Start.
Leider stürzte das hilfreiche und auf jeden Fall imposante System schon mal ab, blieben Bildschirme dunkel, das Hochfahren dauerte ab und an lange.
Auch das Lautstärke-Drehrad war davon betroffen.
Das soll jedoch bald durch ein Update behoben sein.
Die Motorisierung
Angeboten wird der T10X mit Allrad (435 PS) und Heckantrieb (218 PS).
Letzteren fuhren wir mit großem Akku (88,5 kWh).
Der soll laut WLTP bis zu 523 Kilometer Reichweite ermöglichen.
Doch das ist reine Theorie.
Die Angabe nach dem Laden auf 100 Prozent zeigte: 433 Kilometer.
Im Stadtbetrieb schaffte er deutlich mehr, näherte sich zudem dort immer wieder dem WLTP-Verbrauchswert von 19,1 kWh.
Bei einer längeren Tour über zweieinhalb Stunden durch kleinere Orte, über Landstraßen und kurz auf der Autobahn zeigte der Bordcomputer nach 112 ruhig gefahrenen Kilometern einen Verbrauch von 23,8 kWh an.
Bei Tempo 130 auf der Autobahn ging ihm jedoch die Puste zügig aus, schnellte der Verbrauch auf 30 kWh hoch.
Auf längeren Strecken sind daher auch bei ruhiger Gangart etliche Stopps nötig um den Akku zu füllen. Diese Prozedur dauert von 20 auf 80 Prozent im Idealfall 28 Minuten.
Wir schafften diesen Wert trotz milder Temperaturen leider nie, lagen immer ein paar Minuten darüber.
Das zeigt: bei der Ladeleistung ist noch Luft nach oben!
An der Schnellladesäule sind laut Datenblatt bis zu 180 kW möglich.
Beim Spurten war der gut 2,2 Tonnen schwere Wagen recht flott unterwegs, packte 100 mit seinem Elektromotor von Bosch in 7,4 Sekunden.
Auch 185 km/h sind hier möglich.
Der Fahrkomfort insgesamt lag auf gutem Niveau, vor allem auf Landstraßen und Autobahnen zeigte sich der Wagen sehr bequem gefedert.
Selbst bei höheren Geschwindigkeiten hielten sich die Abrollgeräusche in Grenzen.
Er fährt leise, komfortabel und solide, ließ sich insgesamt gut durch den Alltag manövrieren, durch enge Tiefgaragen und in Parklücken ebenfalls.
Punkten kann der Wagen auf jeden Fall bei der Ausstattung, die lässt sich noch mit Panoramaglasdach (+1.000 Euro), elektrischer Heckklappe, Rundum-Kameras oder Premium-Soundsystem von Meridian mit 470 Watt und 12 Lautsprecher (+1.000 Euro) und einigem mehr aufwerten.
Die Fahrzeuggarantie beträgt drei Jahre oder 100.000 Kilometer, für die Batterie sind es acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Die silbernen Streben im Grill und in den Felgen sollen Tulpen darstellen. Was viele nicht wissen: sie ist die Nationalblume der Türkei.
Das Design stammt aus der Feder von Murat Günak, der auch schon bei VW den Stil einige Jahre geprägt hat.
Etwas versteckt sitzen am vorderen Teil der Mittelkonsole zwei Tasten, über die sich die Rekuperation in drei Stufen einstellen lässt: von fast freiem Segeln bis hin zu One-Pedal-Driving. Das Ablagefach unter der Mittelarmlehne kann beheizt oder gekühlt werden, dort warten auch zwei USB-C-Anschlüsse.
Die Türablage ist im Vergleich zur Fahrzeuggröße eher klein dimensioniert, das Handschuhfach dagegen erfreulich groß.
Aufgepasst, Big Brother is watching you: Diese Kamera muss den Fahrer laut geltenden EU-Vorgaben offiziell ständig überwachen.
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