Keiner war je stärker bei Land Rover: Defender Octa mit Biturbo-V8 bei uns 14 Tage im Alltagstest

Den Defender gibt es mit vielen verschiedenen Motorisierungen, als Benziner, Diesel und Hybrid­variante. Und dann gibt es noch die betont sportlich aufgestellte Variante Octa. In ihr steckt der feurige Motor aus dem BMW M5. 
      von Gerolf Ermisch 

Mit seiner Standardhöhe von 1,99 Metern, die sich dank Luftfahrwerk bis auf 2,07 Meter erweitern lässt, toppt der Defender Octa andere große Offroad-Monster wie die Mercedes-Benz G-Klasse oder den Toyota Land Cruiser deutlich. 

Diesen imposanten Briten hatten wir zwei Wochen bei uns, berichten hier, wie er sich so im Stadtverkehr, auf Landstraßen, Autobahnen und abseits befestigter Wege anfühlte. 

Nicht zu übersehen ...

Beim ersten Blick fällt einem eventuell der Werbe­spruch eines bekannten Reifenher­stellers ein: „schwarz, breit, stark“. Der passt hier wie die Faust aufs Auge. Unser Testwagen kam als Octa Black mit vielen tiefschwarzen Elementen, die ihn noch imposanter erscheinen lassen.
 
Außer an den beiden Octa-Emblemen hinter den C-Säulen ist er von außen unter anderem an den vier Auspuff-Endrohren als Top­modell der Baureihe zu erkennen. Extra ausgestellte Rad­häuser, eindringlicher LED-Blick, breite Karosse und Geländebereifung lassen ihn massiv wirken. Bei fünf Meter Län­ge und knapp über drei Meter Rad­stand wirkt er wohlproportioniert, geringe Überhänge lassen seinen eigentlichen Einsatzzweck erkennen.
 
 
Innen zeigt er sich mit einer Mischung aus Moderne, funktioneller Robustheit und Ele­ganz. Neben dem digitalen Tachomonitor werden die Fahr­zeugfunktionen über den 13,1 Zoll großen Zentralbildschirm gesteuert. Zusätzlich bietet das hochauflösende Head-up-Display allerlei Informationen direkt im Sichtfeld des Fahrers. 
Im Fond gibt es reichlich Platz für bis zu drei Passagiere, wobei der bauartbedingt hohe Boden mit einem nur gering aufbauenden Mitteltunnel auskommt, was den Durchstieg erleichtert.
 
 

Üppig bestückt ...

Als Topmodell der Baureihe kostet der Octa mindestens 187.600 Euro. Unser Testwagen kam in der Ausstattung Octa Black, für die Land Rover mindestens 200.700 Euro verlangt, erwartbar vollausgestattet. 
Vorne wie hinten gibt es Sitzheizung und Sitzlüftung, separate Klimatisie­rung und je zwei USB-C-An­schlüsse. Das Smart­phone wird induktiv geladen und via Apple CarPlay oder Android Auto kabellos mit dem Infotainment­system verbunden.
Ein grandioses Audiosystem von Meridian (700 Watt) verwöhnt die Passagiere, Fahrer und Bei­fahrer spüren den Sound sogar mit Body and Soul-Sitzen in Semi-Anilin-Leder durch leichte Vibrationen im Lendenwirbelbereich auch körperlich. 
 
Das 360 Grad-Ka­merasystem bietet die Sicht aus der Vogelper­spektive, eine Kamera zeigt die Umgebung unter dem Vorderwagen, was im Gelände ungemein hilfreich ist. Gerade wenn man eine Kuppe überqueren und dann bergab in unbekanntes Terrain fahren muss. 
 

 
Der große Brite bietet auch viel Raum für das Gepäck. Zwischen 972 und 2.277 Liter Ladevolumen verstecken sich hinter der seitlich angeschlagenen Hecktür. Bis zu 3,5 Tonnen ziehen kann er ebenfalls.

Sportwagen & Kraxler ...

Zwei Schrittmacher in Form von Turboladern treiben den 4,4 Liter großen Achtylinder unter der Haube des stärksten Serien-Defender aller Zeiten an. 
Sie bringen ihn auf beeindruckende 635 PS und 750 Newtonmeter Drehmo­ment ab 1.800 Umdre­hungen pro Minute. 

So spurtet der immerhin 2,5 Tonnen schwere Offroader in vier Sekunden auf 100 und auf Wunsch problemlos weiter bis 250 km/h.
Wird der so genannte „Octa-Modus” akti­viert, wird das Fahrverhalten auf einen Schlag aggressiver, brummt die Auspuffanlage noch kerniger, reagiert das Gaspedal noch schneller. 
 
Dabei wirkt der Octa recht leichtfüßig, denn er wird noch von einem E-Motor unterstützt. Die Kraft von Verbrenner und E-An­trieb im Mild-Hybridverbund, die durch eine Achtgang-Automatik auf die Straße gebracht wird, entfaltet sich dabei sehr gleichmäßig.
 

Der Verbrauch 

Hält man sich mit dem Gasfuß zurück, soll es der Octa laut WLTP auf 13,2 Liter Super auf 100 Kilometer bringen (CO2: 298 g/km). 
Wir notierten nach vierzehn abwechslungsreichen Testtagen mit vielen flotten Passagen einen Schnitt von 16,5 Liter. 
 
Auf der Autobahn verbrauchen wir bei ruhiger Gangart im Schnitt meist unter 12 Liter, innerorts schoss der Wert jedoch massiv in die Höhe. 
Vor allem da macht sich das hohe Gewicht von 2,6 Tonnen bemerkbar. 
Immerhin begnügt sich das Hochleistungs­aggregat anstatt mit Super Plus auch mit Super E10.
 

Abseits befestiger Wege …

Entsprechend der jahrzehntelang bewährten Gene des Defender hat der Octa nichts dagegen, auch grobes Gelän­de, enorm tiefe Schlaglöcher, enorme Steigungen oder abenteuerliche Geröllhalden unter die Stollen zu neh­men. 
Sperren vorne wie hin­ten, Luftfahrwerk mit hydrau­lisch verbundenen Dämp­fern, viele Offroad-Anzeigen und Offroad-Modis sor­gen dafür, dass er sowohl hohes Tempo auf der Straße und Verschrän­kungen im Gelände jederzeit souverän meistert. 
Wattfahren bis zu einem Meter Wasser­tiefe ebenfalls.
 
Die gigantischen Dimensionen machen es allerdings schwer einen Parkplatz zu finden. 
Auch bei der Einfahrt ins Parkhaus muss man stets Dachhöhe oder die Außenspiegel im Auge haben.

Foto: Achim Stahn


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