Buch-Tipp Nr. 281: diesmal steht die deutsche Automobilindustrie im Fokus, ist sie noch zu retten???

Wir kämpften uns wieder einmal durch das Neuheiten-Angebot zum Thema Mobilität, stellen hier ein lesenswertes Buch vor. Das bietet einen ungeschönten Bericht zur derzeitigen Situation der deutschen Automobilwirtschaft, zeigt zudem mit großem Fachwissen detailiert auf, was nötig ist, um wieder auf die Erfolgsspur zu gelangen.            
               von Achim Stahn

Hier geht es nicht um das Füllen von Seiten, nein, hier analysieren zwei Insider mit knallharten Fakten schonungslos auf 320 Seiten den aktuellen Stand der deutschen Automobilindustrie.
 
Auto­mo­tive-, Marken- & Medienexperte Harald Hamprecht schrieb zusammen mit Dr. Thomas Sedran (ex-Chef bei Opel wie VW-Nutz­fahrzeuge) ein sehr interessantes Buch. 
Der Titel lautet: „Kraft statt Krise – Wie die deutsche Automobilindustrie wieder Weltspitze wird“. 

Das am 1. Juni im Verlag Delius Klasing (ISBN: 978-3-667-13268-0) aufgelegte und spannend geschriebene Wirtschaftsbuch ist ein echter Trai­ningsplan für die Autoindustrie und ein Weckruf für Deutschland.  
 
Worum es hier geht, ist allen klar, die regelmäßig seriöse Nachrichten lesen, hören und sehen: Deutschland ist in eine gefährliche Schieflage geraten. 

Das immer gerne als Lokomotive Europas bezeichnete Land hat ein Kraftproblem. 
Das zeigt sich nirgendwo deutlicher als im Herzstück unserer Wirtschaft: der Automobilindustrie.
 

Es ist noch nicht zu spät ...

Was sich in Deutschland schon seit einiger Zeit quer durch das Land abspielt, ist kein ge­wöhnlicher Abschwung, sondern ein Stress­test für die Existenz. Technologi­sche Disrup­tion, geo­po­litische Verwerfun­gen und brutaler Wettbewerb haben einen Megasturm erzeugt. 

„Diese Krise ist von historischem Ausmaß und in weiten Teilen hausgemacht. Zu lange haben deutsche Autohersteller und Zuliefe­rer gezögert, relativiert, verwaltet“, testieren die Autoren.

Kopf in den Sand gesteckt …

Gegen politisch motivierte Autofeindlichkeit und Drangsalierung ihrer Käufer hat sich auch keiner der deutschen Automobilhersteller gewehrt. 
Besser gesagt deren Bosse, die selber bestens versorgt und ohne irgendwelche Sorgen in die Zukunft blicken.

Proteste mit Gleichgesinnten und den Gewerkschaften gegen den voraussehbaren massiven Abbau von Kompetenz und Arbeitsplätzen wurden ebenfalls vermieden. 
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Nicht Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz und ganz besonders nicht Volkswagen. 
Nur Opel hat zu Beginn der CO2-Diskussion mal kurz den Kopf erhoben, leider nicht lange genug.

Zu oft wur­de Verantwortung externalisiert: nach Peking, Brüssel, in Lieferketten und sonstwo hin.

„Viele Proble­me sind zudem selbst verursacht. Die Anrede ist von trategischer Un­schärfe, operativer Trägheit, Hang zur Per­fek­tion statt Tempo“, stellt das Buch klar.

„Innovatio­nen wur­den früh erkannt, aber zu spät oder nicht um­ge­setzt. Wissen war vorhanden, doch es fehlte an der Konsequenz, operative Schwer­fäl­ligkeit neutralisierte zu oft die vorhandene Stärke.“

Der Blick nach außen 

Auch er zeigt klar und deutlich, wie schnell sich das Machtgefüge ändert. Rasend schnell sogar.

Während Euro­pa analysiert und reguliert, pusht China mit Hochdruck.
Beim Thema Mobilität überhaupt (bei Autos/Nutzfahrzeugen, Zugverkehr, Schiffsrouten und Luftfahrt steht Platz 1 weltweit im.staatlichen Strategieplan), bei der E-Mobilität, bei Batterien, KI, humanoiden Robotern und Platt­formöko­no­mie ebenfalls.

Staatlich mit Riesensummen mehr oder weniger verdeckt finanziell massiv flankiert, in­dustriell mit hohem Tempo und ohne bürokratische Zwänge durchgezogen, global Stück für Stück ausgerollt. 

Urteil der Autoren diese Buches: „Der nächste Schnellzug ist längst weg, wer jetzt noch zögert, kann nicht mehr einsteigen, wird nur noch zusehen.“

Exzellenz ist kein Zufall

Allerdings: Dieses Buch ist für die Autoren kein Abgesang, es ist ein Trainingsplan. 
Es zeigt, dass Exzellenz kein Zufall ist – sondern das Ergebnis klarer Visionen, radikaler Prioritäten, kompromiss­loser Umsetzung. 

Es unterstreicht eindeutig auch, dass die Basis für eine Umkehr weiter in unserem Land vorhanden ist. 
Was in der Regel fehlt, ist Führung mit Biss und Mut, Klarheit in der Priori­sie­rung, konsequente Umsetzung der erkennbaren Problemlösungen. Idealerweise mit Gleichgesinnten.

So machen es Erfolgreiche ...

Wie es gehen kann, zeigt der Blick hinüber zu den Tech-Un­ter­­nehmen in den USA. Von Microsoft, Amazon, Nvidia, Apple, meta, Alphabet und Tesla können wir lernen und deren Vorgehensweise adaptieren.

Die Chefs dort stehen für eine radikale Kundenorientierung, tech­­nologischen Ehrgeiz, Tempo in der Um­­setzung neuer Ideen und Strategien. Dort ist bewusste Risikobereitschaft ein wichtiger Erfolgsfaktor. 
„Innovation ist dort kein Zufall, er ist sys­te­matisch organisiert“, so die Autoren nach der Analyse.

Konzepte wie Googles „10x Thinking“ stehen für diesen Anspruch, werden in diesem Buch detailliert beleuchtet.

Die Autoren analysieren, wie aus Ideen ska­lierbare Produkte und Platt­formen ent­stehen, Ökosysteme aufgebaut werden, wa­rum Tempo oft wichtiger ist als Perfek­tion. 

Genau daraus leitet sich der Kern ihrer Empfehlung ab: 
- weniger „German Angst“
- mehr Umsetzung
- weniger Bedenkenträger
- mehr Tempo. 

Transformation ist ein Kraftakt, sanfte Transformation oft nur gut getarnte Stag­na­tion. 
Der Markt kennt keine Geduld, der Finanzmarkt noch weniger. 
Wer zu langsam ist, verliert – nicht irgendwann, er verliert jetzt. Zögern ist das neue Scheitern.

Ein Blick zurück 

Auch er schärft den Blick nach vorn. 
Denn es gab immer schon Führungskräfte die ihre Berufsbezeichnung im wahrsten Sinne des Wortes konsequent und daher erfolgreich umsetzten.
Für sich, das Unternehmen und vor allem für andere.
 
Dazu drei Beispiele: 
1. Wendelin Wiedeking führ­te Por­sche mit harter Kostendisziplin und klarer Fo­­kussierung aus der scheinbar unlösbaren Krise. 
2. Michael Loh­schel­ler drehte Opel unter der Groupe PSA wieder in die Gewinnzone, nach fast zwei Jahrzehnten mit Milliardenverlusten. 
3. Sergio Marchionne der FCA-Chef erkannte schon früh, dass Ska­len­ef­fek­te, Part­nerschaften und Größe ent­schei­dend sind. Das setzte er auch in einer bis dato nicht gekannten Geschwindigkeit um.
Ähnlich hemdsärmelig wie die anderen beiden, doch statt Anzug trug er immer und zu jedem Anlass zumeist dezente Pullover. Gut zuhören konnte er auch.
 

Überlebenswichtig: verlässliche Rahmenbedingen 

Nicht zuletzt richtet sich der Appell der Autoren an die von uns bezahlten Politiker. 
Denn Wettbewerbsfähigkeit bedeu­tet immer ver­läss­liche Rahmenbedingungen im industriellen Bereich.
 
Deshalb for­dern die beiden Autoren eine klare „Phoenix-Agen­da“: 
- nie­dri­gere Energiepreise
- niedrigere Steuern
- weniger Bürokratie
- handlungsfähiger Staat
- bessere Bildung
- reformierte Sozialsysteme
- moder­ne Infrastruktur
- stärkerer Kapital­markt
- mehr Wohnungsbau
- eine klare Führungsrolle von Deutschland in Europa
 
Das sind die Teile eine großen Puzzlespiels, das nur mit Engagement und Empathie zusammengesetzt werden muss.

Das Resultat aller Maßnahmen entscheidet anschließend darüber, wie schnell Unternehmen handeln können. 
Wer hier bremst, bremst nicht ein­zel­ne Firmen, sondern die Volkswirtschaft insgesamt.
 
Fazit dieser knallharten Analyse: 
Die Krise ist real, ja, aber gestaltbar. „Kraft statt Krise“ versteht sich als Weckruf und Werkzeugkasten für den Neustart, als Leitfaden für Entscheider, die nicht verwalten, sondern gestalten wol­len. Die Autoren-Empfehlung ist so einfach wie anspruchs­voll: einfach machen! 

Alle Fakten zum Buch

  • Titel: Kraft statt Krise
  • Erscheinungstermin: 1. Juni 2026
  • Autoren: Harald Hamprecht und Dr. Thomas Sedran
  • Verlag: Delius Klasing Verlag
  • Ausstattung: gebunden
  • ISBN: 978-3-667-13268-0
  • Seiten: 320
  • Format: 13,9 x 21,2 cm
  • Fotos und Abbildungen: leider nur 3
  • Preis: 26,90 Euro 
Harald Hamprecht    Foto: Dani Heyne


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